Warum KI-Stellenausschreibungen an der Realität vorbeigehen

Melanie Rehle

Über die Autorin

Als Expertin für KI-gestützte Automatisierung und digitale Transformation liegt ihr Fokus darauf, Unternehmen dabei zu unterstützen, künstliche Intelligenz gezielt in Geschäftsprozesse zu integrieren. Durch praxisnahe Beratung, strategische Schulungen und innovative Lösungen entsteht echter Mehrwert – von effizienteren Workflows bis hin zu zukunftsfähigen Geschäftsmodellen.

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Unternehmen suchen vermehrt KI-Experten – doch ohne Erfolg

Unternehmen stehen unter Druck, Künstliche Intelligenz (KI) in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Der Markt verändert sich rasant, und wer jetzt nicht investiert, riskiert, den Anschluss zu verlieren. Die logische Konsequenz: Firmen suchen KI-Experten, um sich das notwendige Know-how ins Haus zu holen.

Doch die Stellenausschreibungen zeigen, dass viele Unternehmen nicht verstanden haben, wie dynamisch das KI-Feld wirklich ist.

Typische Anforderungen sehen so aus:

  • „Mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in der KI-Entwicklung“
  • „Abgeschlossenes Studium in Data Science, Informatik oder einem verwandten Bereich“
  • „Zertifizierungen in KI-Technologien erforderlich“

Diese Anforderungen vermitteln Sicherheit – doch sie sind nicht realistisch. Unternehmen suchen nach Fachkräften, die es so auf dem Markt nicht gibt. Und wenn doch, stehen diese nicht für eine klassische Festanstellung im Mittelstand zur Verfügung.

Die Realität: KI-Methoden unterliegen einem ständigen Wandel

Viele Technologien, die heute als essenziell für den Unternehmenserfolg gelten, existierten vor wenigen Jahren noch nicht oder waren nur in Forschungsprojekten nutzbar.

  • ChatGPT wurde erst 2022 veröffentlicht – davor waren KI-Sprachmodelle kaum praxisrelevant.
  • GPT-4 kam 2023 – erst seitdem sind fortschrittliche Automatisierungen für Unternehmen massentauglich.
  • Die ersten skalierbaren KI-Lösungen für Unternehmen sind jünger als drei Jahre.

Doch anstatt nach Fachkräften zu suchen, die aktuell auf dem neuesten Stand sind, setzen Unternehmen auf traditionelle Recruiting-Maßstäbe: Erfahrung in Jahren, Universitätsabschlüsse, Zertifikate.

Diese Anforderungen berücksichtigen nicht, dass KI keine statische Technologie ist, sondern ein Bereich, in dem sich das Wissen schneller veraltet als in fast jeder anderen Branche.

Jeden Tag erscheinen neue Anwendungen, die alles bisher Dagewesene infrage stellen. Unternehmen, die darauf warten, dass sich der Markt stabilisiert, werden ins Hintertreffen geraten.

Warum klassische Jobanforderungen im KI-Bereich nicht funktionieren

1. Berufserfahrung in KI ist kein festes Maß

Wer vor fünf Jahren an KI gearbeitet hat, hat mit völlig anderen Technologien gearbeitet als heute. Jemand, der sich erst seit einem Jahr intensiv mit modernen KI-Systemen beschäftigt, kann ein höheres Praxiswissen haben als jemand mit langjähriger, aber veralteter Erfahrung.

Das bedeutet: Es ist nicht entscheidend, wie lange jemand mit KI arbeitet, sondern ob er oder sie auf dem aktuellen Stand ist.

2. Unternehmen brauchen keine Entwickler, sondern Strategen

Viele Firmen suchen KI-Fachkräfte mit Fokus auf Programmierung – doch in der Praxis benötigen sie eher Berater und Integratoren, die KI-Anwendungen in bestehende Geschäftsprozesse überführen.

Die wichtigsten Fragen für Unternehmen lauten daher nicht:

  • Wer kann für uns ein KI-Modell entwickeln?

Sondern:

  • Welche bestehenden KI-Technologien sind für uns relevant?
  • Wie können wir KI schnell und effizient in unsere Prozesse integrieren?
  • Wie schulen wir unsere Mitarbeiter, damit sie diese Technologie sinnvoll nutzen?

3. Selbst Experten müssen ständig dazulernen

KI ist kein abgeschlossenes Wissensgebiet, sondern ein Bereich, der sich rasant weiterentwickelt. Selbst erfahrene Fachkräfte müssen sich regelmäßig mit neuen Technologien auseinandersetzen.

Beispiele für aktuelle Entwicklungen, die selbst erfahrene KI-Spezialisten erst in den letzten Wochen kennengelernt haben:

  • Manus – eine hochmoderne KI-Technologie, die aktuell noch nicht in Deutschland verfügbar ist.
  • MCP – eine neu auf den Markt gekommene Plattform mit disruptivem Potenzial.

Hier zeigt sich: Es geht nicht darum, jemanden mit fünf Jahren Erfahrung zu finden – sondern um jemanden, der bereit und in der Lage ist, sich kontinuierlich in neue Technologien einzuarbeiten.

Die Lösung: Weiterbildung und Beratung

Anstatt unrealistische Erwartungen an Bewerber zu stellen, gibt es nachhaltigere Lösungen:

  • Weiterbildung interner Mitarbeiter
    Unternehmen können gezielt Schulungsprogramme aufsetzen, um internes Wissen aufzubauen.
  • Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratern
    Externe Experten helfen, KI schnell und effizient in Unternehmensprozesse zu integrieren.
  • Projektbasiertes Arbeiten statt langfristiger Festanstellungen
    Viele KI-Projekte erfordern keine dauerhafte interne Abteilung, sondern gezielte Unterstützung durch Fachkräfte auf Abruf.

EU-AI-Act: Unternehmen sind zur Schulung verpflichtet

Der EU AI Act macht deutlich, dass Unternehmen, die KI-Technologien nutzen, ihre Mitarbeiter entsprechend schulen müssen. Mehr Informationen zum EU AI Act

Das bedeutet: Wer KI einsetzt, muss sicherstellen, dass die Belegschaft die Technologie versteht und verantwortungsvoll anwenden kann.

Fazit: Wer nicht stehen bleiben will, muss jetzt investieren

Unternehmen, die KI erfolgreich einführen möchten, benötigen eine klare Strategie und praxisorientierte Unterstützung. Anstatt nach nicht existierenden KI-Spezialisten zu suchen, sollten Unternehmen folgende Fragen stellen:

  • Wie können bestehende Mitarbeiter für den Einsatz von KI qualifiziert werden?
  • Welche externen Experten können projektbasiert unterstützen?
  • Wie lässt sich die KI-Transformation nachhaltig und gesetzeskonform gestalten?

Wer KI ernsthaft nutzen will, muss in Weiterbildung, Beratung und strategische Transformation investieren – nicht in veraltete Recruiting-Methoden.

Als erfahrener Berater begleite ich Unternehmen dabei, KI sinnvoll in ihre Prozesse zu integrieren, Mitarbeiter zu schulen und die Weichen für langfristigen Erfolg zu stellen.

📩 Kontakt: mexiaolu.ki@gmail.com


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